Seminar

Gesamtheit von Maschinen und verkettete Anlagen

Einzelmaschinen oder Gesamtheit? Lernen Sie an einem halben Seminartag, verkettete Maschinen und Anlagen rechtssicher zu bewerten. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Schnittstellen beurteilen und die ungewollte Herstellerrolle vermeiden.

Schnittstellen sicher bewerten.

Die Verkettung von Einzelmaschinen zu komplexen Produktionslinien ist industrieller Alltag. Doch technisch sinnvolle Verbindungen enthalten oft unerwartete juristische Risiken. Werden Maschinen zu einer funktionalen und sicherheitstechnischen Einheit verknüpft, entsteht eine sogenannte „Gesamtheit von Maschinen“. Der Verantwortliche für die Integration wird damit rechtlich zum Hersteller der gesamten Anlage. Davon sind Anlagenbauer und Betreiber gleichermaßen betroffen.

Die Konsequenzen sind weitreichend. Die Anlage muss ein vollständiges Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen. Das umfasst unter anderem eine übergeordnete Risikobeurteilung und den Nachweis der Funktionalen Sicherheit für gemeinsame Steuerungen sowie die Erstellung einer Gesamtdokumentation. Der Fokus liegt hierbei auf den neuen Risiken an den Schnittstellen und dem Zusammenwirken der Komponenten. In diesem Seminar vermitteln wir Ihnen die nötige Entscheidungskompetenz. 

Wir analysieren gemeinsam die Kriterien für eine Gesamtheit von Maschinen und zeigen Ihnen, welche Pflichten Sie erfüllen müssen. Sie lernen, Schnittstellen sicher zu bewerten und erfahren Strategien, wie Sie durch geschickte Planung die Herstellerrolle für eine Gesamtheit legal vermeiden können.

Das Seminar auf einen Blick

  • Zielgruppe

Projektleiter, Konstrukteure, Inbetriebnehmer, Sicherheitsfachkräfte sowie Einkauf und Vertrieb

  • Dauer

1 Tag à 4 Stunden (Kompaktseminar)

  • Ort

Inhouse bei Ihnen vor Ort oder digital als Webinar

  • Termine

Inhouse individuell auf Anfrage | Offener Termin in Planung

Das nehmen Sie aus dem Seminar mit

Bild von beiden Geschäftsführern am Whiteboard
  • Abgrenzung zwischen Einzelmaschinen und einer Gesamtheit
  • Systematische Methodik zur Bewertung von mechanischen und steuerungstechnischen Schnittstellen
  • Gezielte Strategien zur Vermeidung der ungewollten Herstellerrolle bei Anlagenprojekten
  • Effiziente Dokumentation durch korrekte Integration von Einbau- und Konformitätserklärungen
  • Sicherheit im Design von übergeordneten Not-Halt-Konzepten und Sicherheitsfunktionen

Der Seminarablauf im Überblick

01

Rechtliche Grundlagen
Wir schaffen rechtliche Klarheit für Ihr Projekt. Sie lernen die Anforderungen aus der aktuellen Maschinenrichtlinie und der neuen Maschinenverordnung kennen. Wir arbeiten intensiv mit dem Interpretationspapier des BMAS zur Gesamtheit von Maschinen. Nach diesem Teil können Sie sicher bewerten, ob eine Gesamtheit vorliegt oder ob es sich lediglich um verknüpfte Einzelmaschinen handelt.

02

Schnittstellenbewertung & Risiken
Wir blicken auf die Übergänge. Sie lernen Methoden kennen, um Risiken an Schnittstellen systematisch zu identifizieren und zu bewerten. Wir besprechen detailliert die Anforderungen an übergreifende Sicherheitsfunktionen wie gemeinsame Not-Halt-Konzepte und zeigen Wege zur sicherheitstechnischen Entkopplung auf.

03

Dokumentation & Praxis
Wir schließen den Prozess mit der korrekten Nachweisführung ab. Sie erfahren, wie eine Konformitätserklärung für Gesamtanlagen aufgebaut ist und wie Sie die Dokumentation der Einzelmaschinen effizient integrieren. Anhand von konkreten Praxisbeispielen spielen wir den kompletten Bewertungsprozess von der Schnittstellenanalyse bis zur Unterschrift durch.

Fragen, Antworten und Seminarinhalt

Wann liegt eine Gesamtheit von Maschinen vor?

Antwort: Eine Gesamtheit von Maschinen liegt vor, wenn mehrere Maschinen so verbunden sind, dass sie produktionstechnisch und sicherheitstechnisch miteinander verknüpft sind. Das Interpretationspapier des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales konkretisiert diese Kriterien und liefert die Grundlage für die rechtliche Einstufung einer Gesamtheit. Maßgeblich ist, dass durch die Verbindung mehrerer Maschinen eine neue funktionale und sicherheitstechnische Einheit entsteht, in der sich die Wirkungen der einzelnen Maschinen gegenseitig beeinflussen. Die Risiken dieser neuen Einheit werden durch die Konformitätserklärungen der Einzelmaschinen nicht vollständig abgedeckt. Deshalb ist für die verkettete Anlage eine eigene Konformitätsbewertung erforderlich, um die Sicherheit der Gesamtheit nach dem aktuellen Stand der Technik nachzuweisen.


Unser Seminarinhalt: Im Seminar zerlegen wir die Definition der Gesamtheit von Maschinen in klare Prüfschritte und übertragen die Vorgaben aus Richtlinie und BMAS-Interpretationspapier in eine praxistaugliche Checkliste. Anhand von Layouts, Beispielszenarien und typischen Grenzfällen üben Sie, ob eine verkettete Anlage als lose Anordnung oder als rechtliche Gesamtheit einzustufen ist und welche Konsequenzen sich daraus für Pflichten und Dokumentation ergeben.

Wer ist Hersteller einer Gesamtheit von Maschinen?

Antwort: Hersteller der Gesamtheit ist rechtlich derjenige, der die Verantwortung für die Zusammenstellung der Einzelmaschinen übernimmt. Das kann der Generalunternehmer sein, der die Anlage schlüsselfertig liefert, ein Integrator oder auch der Betreiber selbst, wenn er Einzelmaschinen kauft und in eigener Regie verbindet. Der Hersteller trägt die volle Verantwortung für die Sicherheit der gesamten Anlage und muss das Konformitätsbewertungsverfahren durchführen, um sicherzustellen, dass Schnittstellenrisiken gemäß dem Stand der Technik gemindert werden.


Unser Seminarinhalt: Wir beleuchten die verschiedenen Akteure in einem Projekt und klären, wann Sie ungewollt in die Herstellerrolle rutschen. Sie lernen, wie Sie vertragliche Schnittstellen zwischen Lieferanten, Integratoren und Endkunden sauber definieren, um Verantwortlichkeiten klar zuzuweisen. Zudem zeigen wir Strategien auf, wie Sie durch frühzeitige Planung vermeiden können, selbst zum Hersteller der Gesamtanlage zu werden.

Welche Dokumente sind für die Gesamtheit neu erforderlich?

Antwort: Sobald eine Gesamtheit von Maschinen vorliegt, ist ein eigenständiges Konformitätsbewertungsverfahren gesetzlich vorgeschrieben. Das Herzstück bildet eine neue Risikobeurteilung, die sich spezifisch auf die Schnittstellen und das Zusammenwirken der Einzelmaschinen konzentriert. Zusätzlich sind der Nachweis der Funktionalen Sicherheit für verknüpfte Steuerungen, eine übergeordnete Betriebsanleitung sowie eine eigene Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung für die Anlage erforderlich. Die Herausforderung liegt dabei oft in der Konsolidierung der Daten verschiedener Zulieferer zu einem widerspruchsfreien Gesamtwerk.


Unser Seminarinhalt: Wir zeigen Ihnen den effizienten Weg zur Gesamtdokumentation. Sie lernen, wie Sie eine übergeordnete Risikobeurteilung aufbauen, die sich auf die wesentlichen Schnittstellenrisiken fokussiert, ohne die Einzelmaschinen unnötig neu zu bewerten. Wir besprechen, wie Sie Betriebsanleitungen sinnvoll zusammenführen und welche technischen Daten Sie zwingend von Ihren Lieferanten einfordern müssen, um den Performance Level der verketteten Sicherheitsfunktionen lückenlos nachzuweisen.

Kann die Einstufung als Gesamtheit von Maschinen vermieden werden?

Antwort: Ja, die Einstufung als Gesamtheit von Maschinen ist kein Automatismus. Sie lässt sich vermeiden, wenn die Kriterien des BMAS-Interpretationspapiers gezielt unterbrochen werden, insbesondere der sicherheitstechnische Zusammenhang. Gelingt es, die Einzelmaschinen so zu entkoppeln, dass ein gefahrbringendes Ereignis an einer Maschine keine Auswirkungen auf die Nachbarmaschine hat, liegt rechtlich keine Gesamtheit vor. In diesem Fall entfällt die Pflicht zur neuen CE-Kennzeichnung der Gesamtanlage, und die Einzelkonformitäten bleiben ausreichend.


Unser Seminarinhalt: Wir vermitteln Ihnen Strategien zur legalen Vermeidung der Herstellerrolle. Anhand von Praxisbeispielen lernen Sie technische Lösungen zur sicherheitstechnischen Entkopplung kennen. Wir diskutieren gemeinsam, wann eine Trennung wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist und wie Sie diese Entscheidung bereits im Layout treffen, um aufwändige Konformitätsverfahren einzusparen.

An wen richtet sich das Seminar?

Antwort: Dieses Seminar richtet sich an alle Akteure, die an der Planung, Beschaffung oder dem Verkauf von verketteten Anlagen mitwirken. Neben Projektleitern und Konstrukteuren profitiert insbesondere der Vertrieb, der oft ungewollt Gesamtanlagen verkauft, sowie der Einkauf, der die Einzelgewerke vergibt. Zudem müssen Sicherheitsfachkräfte und Instandhalter erkennen können, wann durch eine Verkettung im Bestand plötzlich neue Herstellerpflichten entstehen.


Unser Seminarinhalt: Das Seminar ist für technische und kaufmännische Entscheider konzipiert. Wir sensibilisieren den Vertrieb für haftungskritische Formulierungen im Angebot und klären Fragen für das Projektmanagement. Durch die Betrachtung der unterschiedlichen Rollen schaffen wir ein gemeinsames Verständnis für die rechtlichen Pflichten im Anlagenbau. 

Ihr Seminarleiter: Thomas Prokopowicz

Seit 2019 begleite ich Fachkräfte sowie Führungskräfte als Seminarleiter zu verschiedensten Themen der Maschinensicherheit. Dabei bin ich regelmäßig für Partner wie IBF oder den VDI tätig. Die Basis meiner Arbeit bilden über neun Jahre operative Projekterfahrung in der Maschinensicherheit. Ich lege großen Wert darauf, komplexe Anforderungen in klare Antworten und praxisnahe Lösungen für Ihren Arbeitsalltag zu überführen. 


Sie erhalten dieses Fachwissen je nach Bedarf in interaktiven Onlineformaten oder direkt vor Ort in Präsenzworkshops. Mein Ziel ist ein persönlicher Austausch auf Augenhöhe, damit Sie die Inhalte sofort sicher in Ihren eigenen Projekten umsetzen können.

Bild von Thomas Prokopowicz

Teilnahmeoptionen im Überblick 

Dieses Seminar bieten wir aktuell als Inhouse-Format an. Zusätzlich prüfen wir aufgrund steigender Nachfrage einen offenen Termin im Herbst 2026. Lassen Sie sich unverbindlich vormerken, um den Termin nicht zu verpassen.

Weitere Bausteine der Maschinensicherheit

Mit diesem Seminar bauen Sie das interne Wissen auf, um komplexe Anlagenprojekte hinsichtlich der Konformität sicher zu bewerten. Sollten Ihnen im Projektalltag die Kapazitäten fehlen, unterstützen wir Sie auch direkt operativ:

Gesamtheit von Maschinen

Sie haben ein aktuelles Projekt und benötigen sofortige Entlastung? Wir übernehmen die rechtliche Bewertung Ihrer Anlage als externer Dienstleister und führen das komplette Konformitätsbewertungsverfahren für Sie durch.

CE-Koordination

Bei Großprojekten laufen unzählige Fäden zusammen. Wir übernehmen das externe Projektmanagement für die Maschinensicherheit, steuern Ihre Lieferanten und überwachen die Termine für die Dokumentation.

Sicherheitsbetrachtung

Risiken enden oft nicht an der Schutztür der Anlage. Wir bewerten in einer gesonderten Betrachtung auch das Umfeld, die Schnittstellen zur Gebäudetechnik und die logistischen Wege in Ihrer Halle.